Fusion mit der Kirchengemeinde Oeffingen zur Kirchenwahl 2019

Die evangelischen Kirchengemeinden Schmiden und Oeffingen haben sich im Zuge des Pfarrplans 2024 entschlossen zum 1. Januar 2020 zu einer Kirchengemeinde zu fusionieren. Der Schmidener Kirchengemeinderat stimmte in seiner Sitzung am 29. Januar 2018 mit 12 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen dem Vorschlag der aus beiden Kirchengemeinden gebildeten Steuerungsgruppe nach einem Zusammenschluss beider Gemeinden zu. Zuvor hatte das Oeffinger Gremium bereits in seiner Sitzung vom 17. Januar der Fusion zugestimmt. Somit wird zum Jahresbeginn 2020 bzw. zur nächsten regulären Kirchenwahl im Dezember 2019 ein neues Gebilde entstehen, welches als neu geschaffene Gemeinde die beiden nördlichen Fellbacher Stadtteile umfasst.

Der von beiden Gremien getragene und zuvor von der Steuerungsgruppe vorgeschlagene Beschluss umfasst auch die gemeinsam getragene Verantwortung für die im Pfarrplan 2024 ersichtliche und unausweichliche Pfarrstellenreduzierung in der vom Kirchenbezirk empfohlenen  Kooperationseinheit Schmiden/Oeffingen. So wird von den derzeit drei Pfarrstellen (300%) eine halbe Stelle (50%) zum Jahr 2024 gekürzt. Dies betrifft die Pfarrstelle Schmiden II (Charlottenstr. 49). Die Geschäftsführung der neu geschaffenen Kirchengemeinde wird bei der derzeitigen Pfarrstelle Schmiden I (Staffelweg 12) angesiedelt sein. Somit wird in Schmiden eine halbe Pfarrstelle gekürzt, im Gegenzug gibt Oeffingen die Geschäftsführung ab. Die neue Kirchengemeinde wird dann über zwei 100%-Pfarrstellen und eine 50%-Pfarrstelle verfügen. „Es ist bitter eine halbe Stelle, ob in Schmiden oder Oeffingen, durch den Druck der demographischen Entwicklungen streichen zu müssen. Weniger Pfarrer bedeuten weniger Gemeindebezug. Das ist die Realität, die wir nicht schönreden können“, sagt Pfarrer Bernd Friedrich. Beide Kirchengemeinden hatten sich nach dem gemeinsamen Klausurtag am 2. Dezember 2017 zunächst unabhängig voneinander weiter beraten, um eine möglichst praktikable Lösung zu finden. Wie in der vergangenen Ausgabe auf Seite 7 berichtet, bestand für die beiden Gemeinden Schmiden und Oeffingen akuter Handlungsbedarf. Seit Sommer 2017 war klar, dass die Einheit Schmiden/Oeffingen aufgrund der im Pfarrplanausschuss zugrunde gelegten Kriterien von einer Pfarrstellenreduzierung betroffen sein würde. Die Verortung der Geschäftsführung blieb dabei unstrittig. „Die Mittellage von Pfarramt I, Staffelweg 12 spricht sehr klar für den künftigen Sitz des geschäftsführenden Pfarramtes der neu entstehenden Kirchengemeinde Schmiden-Oeffingen! Dazu tritt die historische Gegebenheit der Dionysiuskirche. Sie gilt als älteste Kirche Gesamtfellbachs. Ausgehend von hier haben sich die Parochien Dietrich-Bonhoeffer-Haus und Oeffingen-Johanneskirche in den letzten 50-60 Jahren entwickelt“, sagt Bernd Friedrich.

Um die Einschnitte für beide Seiten möglichst abzumildern, wurde im Sommer 2017 unter Leitung der beiden Pfarrer Bernd Friedrich (Schmiden) und Markus Eckert   (Oeffingen) aus der Mitte der beiden Gemeinden eine Steuerungsgruppe gebildet, die außerdem aus den beiden Laienvorsitzenden und den Mitgliedern des Pfarrplanausschusses sowie Pfarrerin Angelika Hammer und Kirchenpflegerin Annette Kurz bestand. Seit 1. Januar 2018 ist Annette Kurz in beiden Gemeinden als Kirchenpflegerin im Einsatz.

 

 

Nach den weitreichenden und strukturverändernden Beschlüssen wird die Steuerungsgruppe nun in regelmäßigen Abständen unter professioneller Anleitung tagen. Oeffingen wird nun ein zusätzliches Mitglied entsenden, damit eine paritätische Besetzung gewährleistet ist. Einstimmig entschieden sich beide Kirchengemeinden zur Inanspruchnahme einer Fachberatung durch die Landeskirche. Das Projekt Integrierte Beratung unter dem Titel „Struktur – Pfarrdienst - Immobilien“, kurz SPI, wird der

 

Steuerungsgruppe in den nächsten Monaten zur Seite stehen. Im Beratungsprozess mit SPI sollen neben den rechtlich-formalen Themen und Klärungen auch Inhalte und Formen der künftigen Zusammenarbeit besprochen werden. Die Steuerungsgruppe hat hierbei eine beratende Funktion und die Aufgabe, die strukturellen und organisatorischen Themen und Inhalte zu besprechen und Beschlussempfehlungen für den Kirchengemeinderat auszusprechen.

 

Unter allen denkbaren Möglichkeiten struktureller Veränderungen, die zur mittel- und langfristigen Sicherstellung des Pfarrdienstes in die Diskussion vor Ort eingebracht worden sind, erschien beiden Kirchengemeinden die Fusion als am Sinnvollsten. Zwar hätten auch die Möglichkeit zur Bildung einer Gesamtkirchengemeinde oder Verbundkirchengemeinde bestanden, doch bedeuten diese Optionen einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand durch eine erhöhte Zahl von Ausschüssen bei gleichzeitig fehlender Gesamtverantwortung. So gäbe es bei Verbund- und Gesamtkirchengemeinden zusätzlich zum gemeinsamen Kirchengemeinderat jeweils ein eigenes Gremium in den Teilgemeinden. Die fusionierte Kirchengemeinde wird hingegen von einem Kirchengemeinderat geleitet, der auch einer gemeinsamen Wahl zu Grunde liegt. Dementsprechend werden auch Immobilien, Finanzen, Kirchensteuermittel und Personal gemeinsam verantwortet und getragen. Eine neu zu verfassende Ortssatzung wird über Grundsätzliches in der neuen Gemeinde Aufschluss geben. Kurzum: die Fusion schafft gemeinsame Verantwortlichkeiten und verhindert den Verfall in altes Denken, in einen „eigenen“ und „nicht-eigenen“ Bereich. „Auch um das Ehrenamt der Kirchengemeinderäte nicht noch höher zu belasten, halte ich daher eine Fusion mit möglichst einfachen Strukturen für richtig und sinnvoll. Ein Zusammenschluss bietet allemal hohe Chancen! Zusammen stemmen wir als neue, größere Gemeinde (ca. 5600 Ggl.) eine Vielfalt von Aufgaben“, sagt Bernd Friedrich.

 

Doch was bedeutet dies nun konkret für das kirchliche Leben in Schmiden und Oeffingen ab 2020? Wie wird der Gottesdienstplan aussehen? Wie wird sich die Fusion auf die unterschiedlichen Gruppen und Kreise auswirken? Was bleibt erhalten, was wird zusammengelegt? Nach welchem Verfahren wird im Dezember 2019 gewählt? Welchen Namen wird die neue Kirchengemeinde tragen?

 

Zur Information, vor allem aber zur Einbeziehung der Kirchenmitglieder, werden im Herbst 2018 in beiden Orten Gemeindeforen  veranstaltet, in denen alle Fragen auf den Tisch kommen können. Das meiste an Arbeit steht den gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten also noch bevor. Auch wenn der Pfarrplanausschuss 2024 in Waiblingen seine Arbeit beendet hat – vor Ort geht sie erst richtig los.

 

 

Artikel: Fabian Zahlecker, erschienen im Gemeindebrief April-Mai 2018